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Das Prinzessinnenhaus

1722 ließ Georg Wilhelm ein eigenes Schlösschen für die in Ungnade gefallene ledige Bayreuther Prinzessin Christiane Sophie an der Markgrafenallee bauen. Seither haben das Palais und seine Anbauten eine ungewöhnliche Entwicklung genommen: von der Nervenheilanstalt über die Lebkuchenfabrik zum Ersatzteillager .

Markgräfin Sophie, seit 1699 Ehefrau von Georg Wilhelm, ließ im April 1722 den Grundstein legen für ein eigenes Haus für die einzige Tochter, Christiane Sophie Wilhelmine. Der Architekt war vermutlich Johann David Räntz. Die üppige Stuckdekoration im Inneren übernahm Andrea Domenico Cadenazzi (†1756). Das kleine Palais steht im ehemaligen Schlosspark, schräg gegenüber dem Ordenschloss (Markgrafenallee 44). Es ist wie alle Bauten, die in St. Georgen unter Markgraf Georg Wilhelm entstanden, aus Sandstein erbaut, nicht verputzt und am Außenbau fast schmucklos. Das Gebäude sollte den Anfang einer zweiten Häuserzeile entlang der Markgrafenallee bilden.

Das Prinzessinnenhaus verfügte ursprünglich nur über Erdgeschoss und Pianonobile mit einem kleinen Festsaal, das oberste Stockwerk kam erst unter dem Markgrafenpaar Friedrich und Wilhelmine hinzu.Festsaal im Prinzessinnenhaus Die Namensgeberin, Prinzessin Christiane Sophie war damals bereits 21 Jahre alt und noch immer unverheiratet. Grund hierfür war eine tragische Liaison mit einem österreichischen Adeligen, Ernst Boguslaw von Wobeser, der eine Zeit lang am Bayreuther Hof weilte. Aus der Affäre gingen Zwillinge hervor, die die junge Frau heimlich zur Welt brachte, beide Kinder starben jedoch bei der Geburt. Die Angelegenheit wurde dennoch publik und ruinierte den Ruf der Erbprinzessin, die sogar eine Zeit lang in Kulmbach auf der Plassenburg inhaftiert war. Ihre Freiheit erlangte sie erst nach dem Tode des Vaters 1726. 1735 verkaufte sie das Prinzessinnenhaus an Markgraf Friedrich.

Später lebte noch eine Prinzessin darin, nämlich Friedrichs Tochter Elisabeth Friederike Sophie. Sie kam nach ihrer Scheidung von Herzog Karl Eugen von Württemberg im Jahr 1758 zurück und bezog das kleine Palais in St. Georgen im Schlossgarten, das wohl für sie mit einem weiteren Stockwerk versehen wurde. Als Markgraf Friedrich 1763 starb, verließ Elisabeth Friederike St. Georgen und zog sich nach Donndorf in das Schloss Fantaisie zurück. Das Prinzessinnenhaus stand nun leer.

Der Innenhof des Prinzessinnenhauses

Erst 1784 erhielt es neue Bewohner, nämlich Nervenkranke, die bisher zusammen mit Verbrechern im Zucht- und Arbeitshaus untergebracht worden waren. Ende des 18. Jahrhunderts setzte sich modernes Gedankengut durch, Geisteskrankheiten wurden allmählich als solche anerkannt und neue Methoden zur Heilung erdacht. Ab 1789 war die "Irrenanstalt" schon zu klein geworden, so dass nach Osten Erweiterungsflügel über hakenförmigem Grundriss errichtet wurden. Im Jahr 1803 kam der renommierte Nervenarzt Johann Gottfried Langermann (1768-1852) nach St. Georgen, um im Auftrag des Ministeriums einen Plan zur Verbesserung der Heilungsmethoden zu erstellen, der auch ausgeführt wurde. Die Kranken erhielten nun ausreichend körperliche Bewegung und außerdem Voll- und Duschbäder. Die neue Behandlung sollte sich als durchaus erfolgreich erweisen. Als Bayreuth 1810 an Preußen ging, verließ Langermann die Anstalt und wurde in Berlin Chef des preußischen Medizinalwesens. 1870 wurde die Nervenheilanstalt geschlossen. Danach nutzte man die neuen Trakte gewerblich. Der aus Plauen stammende Kaufmann Oskar Wilhelm Teuscher richtete in den Trakten der Nervenheilanstalt eine Fabrik für Lebkuchen und Zuckerwaren ein, das Prinzessinnenhaus selbst wurde zum Wohnhaus für ihn und seine Familie. Dazu ließ er es gründlich sanieren.

Produktion und Vertrieb der Lebkuchen und Süßigkeiten verliefen so erfolgreich, dass neue Gebäude östlich der ehemaligen Heilanstalt errichtet wurden. Nach dem Tode Teuschers übernahm sein Schwiegersohn Wilhelm Ernst Koch die Geschäfte, der überzeugte Demokrat wurde jedoch von den Nationalsozialisten 1933 abgesetzt. Seine Frau und seine Kinder konnten die Firma bis 1956 erhalten. Danach wurden Teile der ehemaligen Fabrik von einem Coburger Betrieb als Ersatzteillager für Autos und Fahrräder genutzt, den Rest des Gebäudekomplexes bewohnten Studenten zu billigen Konditionen.

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